Wie oft bloggt man eigentlich?

Wie oft bloggt man eigentlich? – und was das mit meinem Lehrersein zu tun hat.

„Wie oft man bloggt, hängt maßgeblich davon ab wieviel und was man erlebt – aber auch davon, wie sehr man das Erlebte mit aller Welt teilen möchte.“  Das erst habe ich meinen SchülerInnen vorhin erklärt, als wir erstmalig über etwas Privates gesprochen haben.

Ich habe heute einiges erlebt, das ich teilen möchte. Es war mein vorletzter Tag an meiner Praktikumsschule, an der ich bereits seit vier Wochen bin. In einer Stunde, in der ich eigentlich nur hospitieren wollte, kam ich mit den wahnsinnig coolen Gangster-Schülern während einer Gruppenarbeitsphase ins Gespräch, weil diese – wie allzu oft – mal wieder nichts taten. So war ich nun in einer Stunde, die ich selbst nicht gehalten hatte, eigentlich nur der stille Beobachter…aber dieser sollte ich nicht lange bleiben.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man merkt wie sich sein Gegenüber nach Aufmerksamkeit sehnt? Genau diese Gangster-Schüler, die wohl jeder mal selbst erlebt – oder spätestens seit Fack ju Göhte – im Film gesehen hat, vermittelten mir das Gefühl von „ich freue mich, dass Sie mir zuhören und sich endlich mal jemand für mich interessiert!“. So radikal und doch auch traurig das klingen mag, mir ging mein Herz dabei auf!

Es dauerte nicht lange und die Jungs und ich kamen näher ins Gespräch. Sie erzählten mir, immer mal wieder unterbrochen durch „XY, nimm die Schere aus dem Mund“ (*zu XY sei an der Stelle erwähnt, der Schüler hieß wirklich Justin!) und „Zeig nicht mit dem nackten Arm auf andere!“, erst von ihren Hobbies, später von ihren Lieblingslehrern. Und hier nun war der Moment. Der Moment mit dem Potenzial schönster Moment des Tages zu werden! Gleich nach dem coolen Sportlehrer, der sie alle im Griff hatte – ja, gerade die Gangster- Schüler und dem jungen Deutschlehrer, fiel mein Name! Sie kannten mich gerade seit vier Wochen, wirkten immer so wahnsinnig passiv im Unterricht!, machten so unendlich viel Blödsinn und wirkten so unglaublich unkonzentriert – und da hatten sie nun mich jungen Anfänger als einen ihrer Lieblingslehrer tituliert. Nicht, dass ich sonst nicht beliebt gewesen wäre – immerhin war dies nun schon meine sechste Praktikumsschule -, doch ich sage euch eins: das Herz gewöhnt sich nicht an solch schöne Momente der Bestätigung. Erst recht nicht, wenn sie von Personen kommen, von denen man es am geringsten erwartet.

Das haben sie doch nur gemacht, weil Sie dabei waren, könnte man jetzt meinen. Ja, könnte man. Aber ehrlich gesagt wussten die Jungs, dass sie von mir nicht benotet werden würden; sie wirkten auch nicht auf mich, als wollten sie auch nur irgendwem imponieren. Sie sprachen völlig ins Thema versunken, ohne mich dabei anzusehen, als wollten sie einen Wettkampf daraus machen, wer am ehesten wie argumentieren kann, warum ICH SO COOL WAR!

Wie dem auch sei, danke Jungs für die wahnsinnig lehrreiche, teils aufreibende Erfahrung! Ich möchte auch nach meinem letzten Praktikum Lehrerin werden und könnte mir keinen schöneren Job wünschen! Aber auch danke für die Erfahrung, dass auch die oft verloren wirkenden Seelen, die sich allzu oft in viel zu große Hosen kleiden und hinter Caps verstecken, liebebedürftige Geschöpfe sind, die es verdienen Aufmerksamkeit um ihrer selbst willen zu erhalten – und nicht weil sie wegen „krasser Shits“ oder irgendwelcher „Fails“ auffallen!

Eure Loui

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s