Wenn aus Freunden Fremde werden…

Wer diesen Post mit der Absicht geöffnet hat, etwas Fröhliches zu lesen, sollte diese Seite schleunigst wieder verlassen. Denn dieser Post wird melancholisch, traurig und selbstoffenbarend. Er befasst sich mit dem Thema „Wenn aus Freunden Fremde werden“. Aber eins verspreche ich euch: ich habe eine Lösung für diesen Konflikt gefunden!

Soeben war ich  mit Freunden essen. Aber nicht nur Freunde waren dabei. Auch Leute, die man mal Freunde nannte. Der Umgang mit Letzteren ist schwierig. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht wie ich mich benehmen soll. Aber überhaupt, – egal wie ich mich verhalte, ich habe das Gefühl, so Einiges falsch zu machen. Ihre Blicke berühren mich. Vielleicht interpretiere ich viel in sie hinein, aber das, was ich sehe, ich nichts Positives mehr.

Die Frage, die ich mir in diesem Beitrag stelle, ist: wie passiert es, dass Freunde, die sich einst blind verstanden, – ohne bedeutenden Vorfall – nicht mehr viel miteinander zu tun haben?! Worin liegt der Unterschied bei solchen zu sogenannten „Freundschaften fürs Leben“? Muss man an Freundschaften festhalten, oder ist es gar normal, dass gewisse zwischenmenschliche Beziehungen ein Ablaufdatum haben?!

Wie alles begann…

Alles ging ganz schnell. Man lernte sich kennen. Es war Sommer, verbrachte unendlich viel Zeit zusammen. Aber vor allem, erlebte man Vieles! Es war alles so einfach und leichtlebig. Wir verbrachten den ganzen Sommer zusammen, chillten gemeinsam am See und fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub – es war wundervoll! Einfach, aber genial!

Der Klassiker des Kennenlernens im studentischen Freundeskreis im Sommersemester vielleicht.

Mit Zunahme der Aufgaben im darauffolgenden Semester wurden die gemeinsamen https://tools.gmx.net/thumbnails/dT1hSFIwY0Rvdkx6TmpMV2R0ZUMxc2FYWmxMbk5sY25abGNpNXNZVzR2YldGcGJDOWpiR2xsYm5RdmFXNTBaWEp1WVd3dllYUjBZV05vYldWdWRDOWtiM2R1Ykc5aFpDOTBZWFIwTUY4eUxTMHRkRzFoYVRFME5UTmhZalV4TUdNME56TTJNakE3YW5ObGMzTnBiMjVwWkQweE5FSkZOamRGUmtSRlJqQkNRMEV6TnpKR05VUTJSa1ZDT1VWRk4wTTVOeTF1TVM1aWN6YzNZZ19fJnc9NTAwMCZoPTExNiZxPTc1JnQ9MTQ2NDc4ODg5NQ__Treffen immer weniger. Auch die Interessen und Prioritäten veränderten sich im Freundeskreis. Manche Leute im Freundeskreis trennten sich von ihren Partnern, andere verliebten sich neu und verbrachten dementsprechend mehr Zeit zu zweit. Wie es halt so ist im normalen Leben. Aber nun meine Frage, mir liegt soviel an den Leuten – warum zum Teufel lebt man sich nun auseinander?!

Wenn man bei Google die Suchanfrage „Wenn Freundschaften auseinander gehen“ eingibt, erscheinen viele Artikel renommierter Zeitschriften. Ja sogar Diplom-Psychologen befassen sich mit diesem Thema und bringen doch wenig Licht in mein Dunkel. Im ersten Artikel, den ich öffne, wird zwischen „Herzensfreundschaften“ und „Durchschnittsfreundschaften“ unterschieden. Erstere kennt wohl jeder. Die beste Freundin, die so gut wie alles mit einem teilt, alles von einem weiß, ist eine sogenannte Herzensfreundin. Aber auch „Durchschnittsfreunde“ müssten jedem bekannt sein. Diese kennt man zwar, aber im Grunde kennt man sie auch nicht. Sie gehören zum weiteren Freundes-/Bekanntenkreis.

Die einschlägigsten Gründe, warum aus einer „Herzensfreundschaft“ eine „Durchschnittsfreundschaft“ wird, sind wiefolgt zusammengefasst: Enttäuschung und Vertrauensmissbrauch. D’accord. Das verstehe ich. Das versteht wohl jeder. Aber was, wenn weder das Eine, noch das Andere auf eure Geschichte zutrifft?!

„Menschen verändern sich“, „Menschen leben sich auseinander“. Sollen diese zwei, wohl jedem bekannten Aussprüche, Erklärung sein? Oder sollen diese Floskeln Ausrede sein?!

Ich verstehe das Problem. All das wird noch auf eine viel drastischere Weise auf uns zukommen. Wenn sich das Studium dem Ende zuneigt, wenn sich der Abschluss in greifbarer Nähe zeigt, öfnnen sich einem Türen und Pforten – stadtgrenzenübergreifend. Wir Freunde werden gezwungenermaßen auseinandergehen. Räumlich. Darauf stelle ich mich ein.

Aber jetzt, wo der Abschluss noch Weit in der Ferne lauert, wir die „schönste Zeit unseres Lebens“ haben, welche Gründe kann es da geben, um sich auseinander zu leben?

In diesem Zusammenhang fällt der Begriff des „langsamen Freundschaftstodes“. Auch diesen Begriff, müssen wir demütig zugeben, meinen wir zu kennen, ohne dass wir verstehen wollen.

Der langsame Freundschaftstod tritt ein, wenn man…

…sich eben nicht mehr für den Anderen interessiert.

…nicht mehr dazubereit ist, die Freundschaft zu pflegen. Das gefährliche an diesem Thema: Freundschaft ist etwas Abstraktes. Wenn ich mal meine Katzen nicht richtig umsorge, – ihre Fellpflege vernachlässige oder sie zu füttern vergesse, bekomme ich sofortiges „Feedback“. Das Fell verfilzt, die Katzen meckern. Aber wenn Freundschaften nicht richtig gepflegt werden, zeigt sich dies lediglich in der Unzufriedenheit der Freundschaftshabenden. Und je nach dem, wie sehr man selbst oder der Andere seine Unzufriedenheit äußert, macht sich diese deutlich bemerkbar oder bleibt unbemerkt.

(M)eine Lösung habe ich gefunden. Und dabei hat mir keine Recherche im Internet geholfen. Ich habe das Gespräch mit Freunden gesucht. Echten Freunden – „Herzensfreunden“ also. Ich habe das  Gespräch zu Beteiligten, wie Unbeteiligten gesucht und Lösungen für mich gefunden.

Ich habe diejenigen, mit denen es so schwieirig ist, angesprochen…oder um es korrekter zu sagen, ich habe sie angeschrieben.

„…war grad in der Mensa alles okay? Ich habe das Gefühl, es ist immer etwas angespannt zwischen uns.“

Egal, wer von euch soetwas schon erlebt hat, mir ist heute Einiges klargeworden:

Bedeutet dir der Freund/die Freundin etwas, signalisiere es ihm/ihr! Mache den ersten Schritt und sprich es an! Oft hilft es, das Problem lediglich benannt zu haben, und vieles löst sich von alleine auf. Identifiziert gemeinsam die Ursachen für das Auseinanderleben. Habt ihr euch in letzter Zeit zu wenig gesehen? Dann ändert dies, sofern ihr denn beide an der Behebung des Problems interessiert seid. Seid ihr akut mit beruflichem Stress konfrontiert? Dann kommuniziert dies. Ein guter Freund wird dies verstehen.

Person X hat übrigens zurückgeschrieben:

„Ach Qutasch…War nur etwas unausgeschlafen.“

Und man muss kein Diplom-Psychologe sein, um zu wissen, dass dies gelogen ist. Unsere Freundschaft liegt im Koma, hoffen wir für mich, dass wir beide bald daraus erwachen!

Eure Loui

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10 Gedanken zu “Wenn aus Freunden Fremde werden…

  1. topolino71 schreibt:

    Freundschaften sind schon manchmal ein Buch mit sieben Siegeln, aber hat man erstmal ein Siegel geöffnet, dann bekommt man ein Gespür für das Nächste.
    Leider gibt es Menschen deren Siegel derart verschweißt sind, so daß es wenig Sinn macht seine ganze Kraft für sie zu verbrauchen. Immer wieder bin ich solchen Menschen begegnet und gab alles, doch man sollte es lassen wenn man merkt, daß es einen kaputt macht.

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    • louiandjames schreibt:

      Eine sehr schöne Metapher, die du gewählt hast! Ich kann mich deinen Worten nur anschließen und hoffe für jeden, dass die freundschaftlichen Erfahrungen, die man macht, im Positiven gegenüber dem Negativen überwiegen und man sich nicht entmutigen lässt, zwischen Leuten zu unterscheiden für die es sich zu kämpfen lohnt und eben den anderen!

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  2. Ralf Hauser schreibt:

    Früher hatte ich immer das Motto: „Freundschaft vergeht, die Note bleibt.“ Heute sind mir Freundschaften und tragfähige soziale Netzwerke Gold wert. Leider habe ich nur noch mit Freunden aus meinem Studium Kontakt, die Nahe meinem Heimatort wohnen und noch keine Familie gegründet haben.

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    • louiandjames schreibt:

      Lieber Ralf,

      sowohl die eine Einstellung als auch die andere kann ich nachvollziehen. Wie du sicher gelesen hast, beende ich mein Studium erst noch und habe aber bereits jetzt die Befürchtung, dass ich eine ähnliche (wie deine beschriebene) Entwicklung durchmachen werde und man sich nach dem Studium, entweder in unterschiedliche Richtungen entwickelt, oder aber durch räumliche Trennung bedingt, auseinander lebt. Da kann einem schon ganz schön wehmütig werden.
      Was meinst du, woran es liegt, dass sich die Kontakte nur zu Freunden ohne Familie gehalten haben? Gerade Kinder können doch ein schöner Grund sein, um zusammen zukommen.

      Lieben Gruß,

      Loui

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  3. madameflamusse schreibt:

    Ich würde mal sagen es ist der natürlich Lauf der Dinge das sich Menschen unterschiedliche entwickeln und manches dann auseinandergeht und man aber auch wieder neue Leute kennenlernt

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    • louiandjames schreibt:

      Das ding ist nur, dass man sich selbst bewusst machen muss, bei welchen Personen man „den Lauf der Dinge“ laufen lassen möchte und bei welchen anderen wiederum man sich bemühen möchte, die Freundschaft wieder neu aufleben zu lassen.

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      • madameflamusse schreibt:

        echt? Ich merk das ziemlich deutlich.. dann viel Glück dabei, probieren geht über studieren. Einen Anfang hast Du ja gemacht und auch wenn Dir die Antwort gelogen vorkommt, …schau mal was weiter passiert

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  4. Hanna schreibt:

    Das ist ein Thema, das mir wirklich nahe geht. Ich bin seit einigen Jahren fertig mit Studium und habe jetzt erst festgestellt, wie fremd mir die besten Freunde von damals geworden sind. Am gemeinsamen Tisch habe ich mich gefühlt wie eine Aussätzige – dass ich die einzige von uns bin mit Kind hat es nicht gerade besser gemacht. Mit meiner besten Freundin habe ich darüber gesprochen, mit den anderen bisher nicht. Zu verletzend war ihr Verhalten für mich…

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    • louiandjames schreibt:

      Diese Entwicklung habe ich ebenfalls festgestellt. Manchmal sind einem die am Nächsten, die einem auch in Dingen Lebensplanung am Nächsten bleiben. Was ich damit sagen möchte: bei dir hat sich wharscheinlich durch dein Kind so Einiges verändert. Deine Prioritäten, deine Verantwortung, deine Erfahrungs-und Lebenswelt! Da können nun in den meisten Fällen lediglich die „mitreden“, die Ähnliches erleben! Dass sich deine „alten“ Freunde dennoch auf dieses Weise unverständlich verhalten, möchte ich gar nicht nachvollziehen…ich kann gar keine vernünftige Erklärung für ein solches Verhalten finden :/ ich finde es umso schöner, dass du das Gespräch zu deiner besten Freundin gesucht hast und hoffe, ihr findet bald wieder zueinander!

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