Die beste Zeit des Lebens

An alle Studenten unter euch: Habt ihr es nicht auch schon einmal gehört, die Studienzeit sei die schönste Zeit im Leben. An alle anderen: habt ihr dies nicht gegebenenfalls schon einmal gesagt?!

Ich jedenfalls habe diesen Satz am Wochenende erst von meiner Schwiegermutter gesagt bekommen. Wir standen gemeinsam auf dem Marktplatz. Es war gerade Stadtfest und zudem bestes Wetter! Wir schauten hoch zum Himmel – nein, Spaß! – wir schauten hoch zum Riesenrad, in dem ein Mann und ein kleines Mädchen saßen. Mein Freund, der auch ihr Sohn ist, und seine Nichte.

In diesen wenigen Zeilen steckt bereits so wahnsinnig viel Irritierendes für mich! Meine Schwiegermutter, nennen wir sie Jette, vereint so Vieles in nur einer Person: sie ist Mutter, aber auch Großmutter. Sie hat einen festen Job (einen Traumjob, wie ich finde!) und dennoch Zeit für einen gemeinsamen Ausflug. Und eben diese Frau, die so zufrieden und glücklich auf mich wirkt – und das seit dem Moment, wo ich sie kennenlernte, meint nun zu mir, derzeitiger Studentin, „die Studienzeit sei die beste Zeit im Leben“. Ich bin irritiert.

Ich liebe mein Studium!

Ich will nicht sagen, dass ich den Worten meiner Schwiedermutter widersprechen möchte. Ich liebe mein Studium. Okay, nicht unbedingt jedes Seminar. Auch nicht jedes Semester war entspannt. Aber alles in allem liebe ich, was ich die letzten vier Jahre erlebt habe und noch weitere zwei Jahre erleben darf. Die Studienzeit ist eine leichte Zeit im Leben. Sie ist (größtenteils) frei von Verantwortung, größeren Verpflichtungen und in der Regel ist man noch relativ jung und dementsprechend voller Elan, die Welt verändern zu wollen!

Ich genieße meine Studienzeit. Ich bin (relativ) finanziell unabhängig, bin zufrieden mit meinem Nebenjob, auch weil dieser sicher ist! Ich gehe häufig mit Freunden essen, Cocktails trinken (wobei ich gerne alkoholfrei trinke 😛 ), feiern. Ich könnte es mir auch mal unter der Woche erlauben, lange aufzubleiben und die Nacht durchzumachen. Denn ob ich am nächsten Tag völlig verpennt im Hörsaal sitze oder gar nicht erst erscheine, interessiert in der Regel höchstens meine Freundinnen – ich habe aber keine Verantwortung gegenüber dem Professor, oder eine allgemeine Verpflichtung hinzugehen!

Aber …

So schön die Studienzeit auch ist, es gibt Dinge, auf die ich hinarbeite. Es gibt Dinge, die vielleicht sogar ganze Lebensabschnitte markieren, die erst noch vor mir liegen (die Jette aber beispielsweise bereits erreicht hat). Ich erreiche diese allerdings erst, wenn das Studium beendet ist und ich sage euch eins: ich werde einen Teufel tun und mir eingestehen, dass das Leben von da an bergab geht. Getreu dem Motto „Die schönste Zeit des Lebens ist beendet. Alles weitere kann nur noch schlechter werden“.

Denn das möchte ich nicht einsehen! Meine Studienzeit geht, wenn alles so läuft wie bisher, über fünf Jahre. Wenn ich den Statistiken Glauben schenken darf, werde ich durchschnittlich achtzig Jahre alt. Wenn ich mir also eingestehen müsste, die Studienzeit ist die schönste Zeit im Leben, wären das exakt 6,25% meines Lebens!!!

Sorry, aber das kann keiner wollen.

Da es um MEIN Leben geht, ICH erst recht nicht!

Und ich werde es auch nicht zulassen!

Was ich nach den fünf Jahren vorhabe?!

Eines weiß ich: egal, was ich tue. Egal, wohin es mich verschlägt. Egal, was noch kommt. Eins habe ich vor: Ich will mein Leben so schön wie möglich gestalten. Ich lebe nur einmal, das weiß ich! Ich weiß es wahrscheinlich seit ich denken kann. Aber so richig bewusst geworden ist es mir tatsächlich erst vor vier Jahren, als ich zum Studieren in eine der schönsten Städte Deutschlands gezogen bin! Diese Stadt hat die Gabe, Lebensqualität zu verbreiten. Und das von Beginn an.

Was ich also auch weiß, ich will nicht weg. Und ich werde nicht weggehen. Was ich aber nicht weiß: werde ich eine Anstellung als Lehrerin bekommen? Werde ich hier mein Referendariat machen können? Aber wie gesagt, was die Zukunft für mich auch bereithält, ich will das Beste daraus machen! Und das rate ich auch dir! Führ dir vor Augen, und das regelmäßig (!): du lebst nur einmal!

Was mich also so irritiert?!

Jette hat Kinder zur Welt gebracht. Sie hat geheiratet und irgendwann ihre ersten Enkelkinder bekommen. Dies sind so wahnsinnig einschneidende Erlebnisse im Leben, auf die wohl jeder hinlebt!

In Anbetracht der Tatsache, dass wir nur einmal leben, sind wir es unserem Leben also schuldig, mehr als nur 6,25% unseres Lebens zu der schönsten Zeit des Lebens zu machen!

Also, bitte nimm dich zusammen, meine liebe Schwiegermutti, und stell dich nicht unter den Scheffel! Das, was du lebst, ist „die schönste Zeit des Lebens“. Und das zu jeder Zeit. Wenn es dir nämlich gelingt, dein Leben zu jeder Zeit zu deiner schönsten Zeit des Lebens zu machen!

Und für dich da draußen gilt: genieße den Moment. Genieße dein Studium. Aber freue dich auch auf alles, was danach noch kommt! Sorge selbst dafür, dass auch die Zeit danach eine legendäre, wunderschöne Zeit wird.

Um den Moment zu genießen, leg jetzt aber bitte dein Laptop zur Seite und widme dich dem wahren Leben: deinen Lieben, der Natur, deinem Zuhause.

 

Deine Loui

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3 Gedanken zu “Die beste Zeit des Lebens

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