Bleiben wir für immer zusammen?

Neulich beim Babysitting auf einer Hochzeit: „Bleiben wir für immer zusammen?“, fragte Lotti, als sie sich mit ihren gerademal vier Jahren zum dreijährigen Ben beugte, um ihm einen Schmatz zu geben. Ben schien irritiert von der Frage. Vielleicht, weil er sich der möglichen Endlichkeit von Beziehungen noch nicht im Klaren war.

 

Aber Singles, Paare, frisch Verliebte und auf ewig Enttäuschte – aufgepasst! Vielleicht habt auch ihr euch das schon einmal gefragt, wenn ihr in einer Beziehung ward.

Bleiben wir jetzt für immer zusammen, bis dass der Tod uns scheidet?!

Vorhin noch habe ich einen Artikel gelesen, ein nicht aktuell erschienener, aber mit stets aktuellem Inhalt. Das Titelthema: „Hält deine Liebe für immer? Wie man erkennt, ob man den Partner fürs Leben gefunden hat – oder weitersuchen sollte“ klingt nicht nur spannend, nein, es hält auch Dinge bereit, die ich gerne mit aller Welt teilen möchte. Es haben sich mir die Augen in vielerlei Hinsicht geöffnet.

Die zunächst wichtigste Frage, die der Artikel aufwirft und damit auch direkt an den Titel dieses Blogposts andockt, ist:

„Was wäre, wenn man wüsste, dass der aktuelle Partner nicht der Richtige für immer ist, aber der Richtige für den Augenblick?“

Als ich diese Frage las, war ich zunächst etwas geschockt. Vielleicht irritiert. Vielleicht kann ich meine Gefühlslage aber auch gar nicht genau in Worte fassen. Zumindest habe ich mich auf gewisse Weise „ertappt“ gefühlt. Denn: auch ich war einmal in einer Beziehung, in der ich oft dachte, dass dies so recht nicht das Wahre für mich sein kann. Ich wusste eigentlich, dass ich mit diesem Mann an meiner Seite nicht alt werden mag, dementsprechend verliefen unsere Wege auch nach nur einem Jahr in unterschiedliche Richtungen. Rückblickend auf die Beziehung schauend, dachte ich oft – so hart dies auch klingen mag- diese Beziehung hätte es nicht gebraucht. Diese Erfahrung hätte ich nicht gebraucht, – unter der Prämisse betrachtet, dass ich mit diesem einen Mann ja nun nicht alt werden wollte.

Aber was, wenn es diese Erfahrung doch brauchte?!

Diese Erkenntnis kam mir erst durch das erste Zitat dieses Artikels. Weiter steht dort geschrieben, der „Kieler Bevölkerungsforscher Hans W. Jürgens glaubt, der Mensch brauche drei bis vier Lieben in seinem Leben, weil nur wenige Paare sich immer weiter zusammen entwickeln könnten“ (Neon 02/2011, S. 51). Dem muss ich, nach langem Grübeln, respektvoll zustimmen.

Wenn ich nur daran denke, wie leicht ich mich noch vor wenigen Jahren an Kleinigkeiten stören konnte. Wie wichtig es mir gewesen ist,was wohl meine Eltern über meinen Freunde denken könnten. Nicht nur zu Beginn des Kennenelernens, auch nach Jahren noch. Nein, ich sage nicht, dass es mir egal ist, was meine Eltern über meinen Partner denken. Ich sage: ich bin alt genug, um zu wissen mit wem ich meine Freizeit, meine Sorgen und auch mein Liebesleben teilen möchte. Und das wissen auch meine Eltern. Diesbezüglich bin ich über die Jahre und auch Beziehungen deutlich entspannter geworden. Ich erwarte auch von meinen Partnern noch wahnsinnig Vieles, aber ich spüre, der Druck, der Erwartungsdruck, den ich an meinen Partner stelle, ist geringer geworden.

Mir fällt noch immer auf, wenn er beim Public Viewing aufsteht und zur Bar geht, dabei vermutlich vergisst, mich zu fragen, ob ich denn auch etwas möchte. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihm noch hinterherrufe, ob er mir nicht etwas mitbringen kann (oder gar hinterhergehe) statt bloß eingeschnappt darüber zu sein, dass er nicht gefragt hat, ist deutlich höher als noch vor wenigen Jahren!

Ja, überhaupt sehe ich mich und mein Handeln kritischer: ich erkenne immer häufiger, dass der – überspitzt formuliert – achso „fehlerlose“ Mensch, der ich in meinen Augen zu sein schien, gar nicht so „fehlerlos und unkompiziert“ ist. Nicht dass ich jemals dachte, „fehlerlos“ zu sein, doch merke ich heute: es gab Zeiten, da habe ich im Gespräch vielleicht eher die Fehler eines Anderen gesehen, als die meinen.

Heute bin ich dankbar, einen so verständnisvollen Mann wie James gefunden zu haben: Er gibt mir sehr oft das Gefühl eines sicheren Fundaments. Insbesondere, wenn wir streten. Ob der Fehler nun bei ihm oder mir liegt, ist vielleicht sogar egal. Denn was er mir vermittelt: wo auch immer die Ursache für das Problem liegt, wir bekommen es wieder in den Griff.

„Liebe ist eine seltsame Pflanze, die am Anfang von alleine wächst und später ständig gedüngt werden muss“

Diese Metapher ist eine sehr treffende, wenn man sie auf die Liebe bezieht. Und sie wird auch Antwort auf obige Frage sein.

Ob zwei Menschen für immer zusammen bleiben, oder nicht, weiß niemand. Aber eines Tages, da wird man in einer Beziehung sein, in der man das starke Bedürfnis hat, sich einmal mehr zu versöhnen, als gestritten zu haben.

Ob dies bei mir der Fall ist?!

Ich bin gespannt darauf, was die Zukunf bringt. Aber ich möchte mir keinen Tag ohnen meinen Mann James mehr vorstellen und mit diesem möchte ich mich einmal mehr versöhnen als gestritten zu haben!

Eure Loui

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s